Sein oder nicht sein

Das Leben ist ein Theater und ich war schon auf der Bühne im Mutterleib, weil meine Mutter in einem Schauspiel während ihrer Schwangerschaft gespielt hat. Nachdem ich nach der lebendigen Sensation süchtig geworden war, habe ich viel um das Stück herum getan: Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Kritiker, Techniker, Bühnenbildner – fast alles. Vielleicht kommt meine Begeisterung daraus, weil das Kreative den Geist fördert, weil man mit kleinen Werkzeugen eine ganze Welt bilden kann, oder weil das Leben das Theater und umgekehrt ist (aber das ist für eine längere Diskussion). Hier würde ich mich darauf beschränken, eine kleine Geschichte über mein erstes Regisseurerlebnis zu schreiben.

Wegen meines Gefühls für die Bühne habe ich bald in der Universität solche Gesellschaft gefunden. Einer meiner Freunde hat ein Stück geschrieben und er hat mich gebeten, das in Szene zu setzen. Ich habe gerne akzeptiert. Zu dieser Zeit guckte man viele skandinavische Kriminal-Fernsehserien, oder besonders mein Freund. Das Stück nannte sich “Lars Sørken: A Norwegian Noir”. Die Handlung war typisch für diese Gattung: ein geheimnisvoller Mord, eine sexy Assistentin, und ein fast toller Detektiv. Ja ja…

Während all diesen hektischen Momente habe ich für das erste Mal die echte Verantwortung genossen. Ich musste nicht nur mit meinem Freund, dem Schriftsteller, sprechen, aber auch die Besetzung und das hochverehrtes Publikum kein Komma führen. Schließlich musste ich irgendwas, das auf der Bühne im Auftritt kommen würde, ausbaden. 

Ich habe mich neu erfunden. Die Mannschaftsarbeit war ganz wichtig. Zum Beispiel, wir brauchten eine künstliche Leiche für den Mord. Jemand hat seine Hose gegeben, ein anderer sein Hemd, ich habe das Füllmaterial gekauft und noch ein anderer hat sie zusammengeflickt. Ich musste die Leiche mit meinem Fahrrad durch die Stadt transportieren und die Passanten haben mich komisch angesehen. Das war ganz lustig.

Nach so vielen guten Erfahrungen ist es schade, dass ich mich dafür hier erst nach mehreren Jahren interessiert habe. Aber jetzt muss ich entscheiden zwischen einer bequemen Arbeit und einer vollgelebten Existenz. Soll ich eine gut bezahlte Stelle abwarten, oder werde ich immer die gleiche Wiederholung weiterführen?     

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